Beratungstelefon zur Prävention schwerer Gewalt an Schulen


Gegen schwere Formen von Schulgewalt, sogenannte School Shootings oder „Amokläufe“, haben mittlerweile sämtliche Bundesländer Präventionsmaßnahmen ergriffen. Ein Risiko bleibt jedoch bei fast allen Programmen: Sie verhindern nicht den „Amoklauf“, sondern zielen darauf ab, den Schaden zu begrenzen. Ein neues Berliner Projekt verfolgt jetzt das Ziel, „Amoktaten“ gar nicht erst entstehen zu lassen.

School Shootings sind in der Regel nicht das Ergebnis einer spontanen Überreaktion der Täter. In der Regel waren die Taten durchdacht und lange geplant. Bei genauerer Betrachtung sämtlicher weltweiter Fälle lassen sich regelmäßig Risikofaktoren finden, die auf eine krisenhafte Entwicklung der Täter hinweisen. Erst am Ende einer längeren Zeit subjektiv erlebter Ausweglosigkeit und Ausgrenzung entschlossen sich die Täter, gut vorbereitet, „Rache“ zu nehmen. An einem Ort, an dem die größte Kränkung empfunden wurde: Die eigene Schule. Auch wenn diese nicht die alleinige Ursache der krisenhaften Entwicklung des Jugendlichen oder Heranwachsenden darstellte.

In der Rückschau solcher Taten lassen sich eine Reihe von Verhaltensauffälligkeiten und Hinweise auf die Tatvorbereitung (sogenanntes Leaking) finden, die unbeachtet blieben. Ähnliche Signale senden Schülerinnen und Schüler aus, wenn die eigene Krisenbewältigung zu scheitern droht. Ohne Hilfe können krisenhafte Entwicklungsprozesse negative Auswirkungen nach sich ziehen. Das geht von Schulversagen bis hin zu Suizidversuchen oder eben schweren zielgerichteten Gewalthandlungen („Amok“).

Wie ist die Lage einzuschätzen?
Lehrkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen an Schulen nehmen Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensänderungen ihrer Schülerinnen und Schüler durchaus wahr. Die Bewertung ist jedoch nicht immer einfach: Handelt es sich lediglich um flüchtige Frustrationen und pupertäres Verhalten? Oder sind Anzeichen einer ernstzunehmenden Krise vorhanden? Ist die persönliche Einschätzung eine Überreaktion, die nur zu Unsicherheiten und Ängsten an der Schule führen würde? Oder sollten unverzüglich konkrete Hilfemaßnahmen eingeleitet werden? Und was wäre in diesem Fall zu tun?

Schnelle Hilfe am Telefon, rund um die Uhr: (030) 61 00 62
Ziel des Projekts ist, bei diesen Fragen Handlungssicherheit und geeignete Partner zu vermitteln . Eingerichtet wurde ein telefonisches Beratungsangebot beim Berliner Jugendnotdienst  Unter der Nummer: (030) 61 00 62 steht es rund um die Uhr Pädagoginnen und Pädagogen aus Berliner Schulen zur Verfügung. Sie erhalten auf kurzem Wege Ratschläge und Handlungsempfehlungen von Experten zu krisenhaften Entwicklungen von Kindern und Jugendlichen. Dabei kommt den Anrufern die gute Vernetzung des Beratungstelefons mit sämtlichen Hilfeinstitutionen zugute. Im Ernstfall können sogar umgehend Maßnahmen der Jugendämter ergriffen werden, wenn diese nicht erreichbar sind.

Die Stärke dieses Angebots liegt darin, dass nicht nur potenzielle Amoktäter erfasst werden. In dieser frühen Phase der Aufmerksamkeit handelt es sich zunächst ganz unspezifisch um eine möglicherweise krisenhafte Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen, um die sich die Anrufer sorgen. Ob die rechtzeitige Intervention einen „Amoklauf“ verhindert, einen Suizidversuch oder die Entwicklung von straffälligen Verhaltensweisen: In jedem Fall wird auf die Notlage einer Schülerin oder eines Schülers reagiert mit dem Ziel, Unterstützung zu geben und Abhilfe zu schaffen.

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