Klassenzimmer richtig lüften in Zeiten von Corona

Experten sind sich einig: Konsequentes Lüften von Klassenräumen kann das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 verringern. Durch einen möglichst großen Austausch von Innenraumluft mit Außenluft können virushaltige Aerosole am wirksamsten aus Innenräumen entfernt werden. Aus diesem Grund sollten die aktualisierten Gefährdungsbeurteilungen und die Hygienekonzepte der Schulen auch das Lüften von Unterrichtsräumen berücksichtigen, um so das Risiko einer Infektion mit Coronaviren zu reduzieren.

Regelmäßiges Lüften entbindet jedoch nicht von der Pflicht des Abstand-Haltens oder des Tragens einer Mund-Nasen Bedeckung.

Im Moment existieren viele Empfehlungen und Vorschläge zum richtigen Lüften. Derzeit werden die Erkenntnisse von den Praktikern und Experten diskutiert. Besonderes Augenmerk wird auf die bevorstehende Wintersaison gelegt. Ziel ist es, den Schulen praktikable Lösungen für angepasste Lüftungskonzepte anzubieten.

Die folgenden Informationen geben den derzeitigen Erkenntnisstand wieder. Die Inhalte werden regelmäßig angepasst.

Eins steht fest: Die Fenster müssen regelmäßig und so weit wie möglich geöffnet werden. Sind in Unterrichtsräumen zu wenig Fenster komplett zu öffnen, kann dies meist nach einem entsprechenden Umbau ermöglicht werden. Es muss dann geprüft werden, welche Gefährdungen von den vermehrt geöffneten Fenstern ausgehen und wie diesen wirkungsvoll begegnet werden kann. Die Anforderungen der DGUV Vorschrift 81 „Unfallverhütungsvorschrift Schulen“ (§ 10) müssen nach wie vor Beachtung finden. Hilfestellungen und Erklärungen finde Sie auf dem Portal www.sichere-schule.de.

So ist es empfehlenswert, die Fenster zu öffnen, die sich nah am Lehrerpult befinden. Verschlossene Fenster sind durch eine Lehrkraft zu öffnen. Werden die Fenster komplett geöffnet, sollte nur unter Aufsicht gelüftet werden, das heißt die Lehrkraft bleibt im Raum. Es ist zudem darauf zu achten, dass sich keine Gegenstände, die als Aufstiegshilfe genutzt werden können, in Fensternähe befinden.

Der Brandschutz hat gegenüber dem Infektionsschutz Vorrang. Das heißt, sofern Rauch – und Brandschutztüren nicht mit automatischen Feststelleinrichtungen ausgestattet sind, sind diese geschlossen zu halten oder es ist anderweitig sicherzustellen, dass diese im Brandfall schließen. In diesem Fall ist eine Stoßlüftung möglich.

Derzeit werden verschiedene Konzepte für die freie Lüftung über die Fensteröffnung empfohlen. Am effektivsten ist die Querlüftung mit geöffneten Fenstern und Türen, aber auch eine Stoßlüftung mit nur geöffneten Fenstern ist wirkungsvoll. Lüften durch gekippte Fenster ist zu vermeiden, da hier die erhoffte Wirkung ausbleibt. 

Die ASR A3.6 „Lüftung“ empfiehlt eine Stoßlüftung von Besprechungsräumen nach 20 Minuten, dies ist auch auf Unterrichtsräume anzuwenden. Für die Lüftungsdauer kann sich nach folgenden Werten gerichtet werden:

  • Sommer (bei Außentemperaturen, die höher oder gleich der Innentemperatur sind):
    mindestens 10 Minuten
  • Herbst und Frühjahr:
    5 bis 10 Minuten
  • Winter (bei Minusgraden):
    mindestens 3 Minuten

Die angegebenen Werte geben nur eine Orientierung.

Es versteht sich von selbst, dass die Räume auch vor und nach der Nutzung ausreichend zu lüften sind.

Ob eine Lüftung ausreichend ist, kann über eine CO2- Messung überprüft werden, zum Beispiel durch die Verwendung einer CO2-Ampel. Mithilfe einer CO2 - App der DGUV lassen sich anhand der Personenzahl. der Aufenthaltsdauer, der Raumgrundfläche (m2) und der Raumhöhe Lüftungsintervalle berechnen.

Die Aussagekraft des CO2-Wertes bezogen auf die Viruslast im Raum wird im Absatz „Nutzung von CO2-Messgeräten an Schulenbeschrieben.

Wenn im Herbst und Winter, bei kühlen Außentemperaturen gelüftet wird, wird empfohlen, dies in Abwesenheit der Schülerinnen und Schüler zu tun. Ist dies nicht möglich, ist darauf zu achten, dass während der Lüftungsdauer auch entsprechende Kleidung (Jacke, Mütze, Schal) getragen wird.

Der Musterhygieneplan der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gibt gesonderte Empfehlungen für das Lüften im Musik- und Sportunterricht vor.

CO2-Messgeräte beziehungsweise CO2-Ampeln dienen der Überprüfung der Qualität der Luft und beziehen sich auf die CO2-Belastung in Räumen. Sie zeigen an, wann die Notwendigkeit zum Lüften besteht. Normalerweise sollte ein CO2-Zielwert von 1000 ppm angestrebt werden. Studien zeigen, dass die CO2-Belastung in Innenräumen mit der Höhe der Viruslast korreliert. Deshalb kann unter den aktuellen Corona Bedingungen dieser Wert zu Hilfe genommen werden, das Lüftungsverhalten zu optimieren. Es wird empfohlen den angestrebten CO2-Wert von 1000 ppm deutlich zu unterschreiten. Etwa 700 ppm wären ein optimaler Wert, sind aber schwer zu erreichen.

Zeigt ein CO2-Messgerät dauerhaft einen Wert von über 1000 ppm an oder ist eine CO2-Ampel rot, sind die Lüftungsintervalle zu lang und der Lüftungsplan sollte nochmals überarbeitet werden.

Wichtig ist dabei zu beachten, dass eine grüne CO2-Ampel oder ein Wert unter 1000 ppm bzw. 700 ppm nicht bedeutet, dass ein sicherer Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus besteht. Auch bei grüner Ampel muss weiterhin entsprechend des Lüftungsplanes gelüftet werden.

CO2-Messgeräte können Schulen eine Orientierung geben und helfen die Lüftungskonzepte zu überprüfen. Sie sind auch nach der Corona-Pandemie noch nützlich und sinnvoll , um die Raumluftqualität zu sichern. Eine flächendeckende Anschaffung der Geräte für jeden Klassenraum ist nach derzeitigem Stand aus der Sicht der Unfallkasse Berlin nicht notwendig. Jede Schule sollte aber über eine angemessene Anzahl derartiger Messgeräte verfügen.

Auch bei der Nutzung einer technischen Lüftung sollte so viel Innenraumluft wie möglich mit der Außenluft ausgetauscht werden. Der Umluftbetrieb von Lüftungsanlagen ist zu vermeiden, der Anteil an Außenluftzufuhr ist gegebenenfalls zu erhöhen, so dass eine ausreichende Außenluftzufuhr sichergestellt ist. Die Anlagen sollten bereits zwei Stunden vor und nach Nutzung der Gebäude auf Nennleistung gefahren werden.

Bei Anlagen, die nur im Umluftbetrieb betrieben werden können, müssen höhere Filterstufen eingesetzt werden (zum Beispiel von F7 auf F9). Es besteht auch die Möglichkeit, die Anlagen mit HEPA (High Efficiency Particulate Air) Filtern nachzurüsten (Filterklasse H 13 oder H14). Diese Filter können Viren abscheiden, eine Nachrüstung ist jedoch mit hohem technischem Aufwand verbunden und sollte zunächst von einem Fachunternehmen geprüft werden.

Verfügen RLT Anlagen (Raumlufttechnische Anlagen) über eine Befeuchtungsfunktion, sollte ein Zielwert von etwa 40 bis 60 Prozent eingestellt werden.

Die Wartung der Belüftungsanalagen ist weiterhin in regelmäßigen Abständen von Fachpersonal durchzuführen.

Mobile Luftreiniger mit HEPA-Filtern (mindestens Klasse H 13) können als Ergänzung zum klassischen Lüften in bestimmten Situationen dazu geeignet sein, die Virenlast in Räumen zu reduzieren. Die Wirkung reicht aber nicht aus, um Viren über die gesamte Unterrichtsdauer wirkungsvoll aus der Luft zu filtern.

Lüften und Abstand halten sind weiterhin notwendig, denn:

  • mobile Luftreiniger ersetzen nicht die notwendige Frischluftzufuhr über Fenster oder raumlufttechnische Anlagen (ASR A3.6 „Lüftung“).
  • mobile Luftreiniger schützen nicht vor einer möglichen Tröpfcheninfektion mit SARS-CoV-2, wenn der Schutzabstandes von 1,50 Metern unterstritten wird.

Worauf bei Anschaffung und Handhabung geachtet werden sollte:

  • Stellen Sie vor dem Kauf der Geräte sicher, dass keine weiteren Gefährdungen vom Gerät ausgehen, wie Strahlung (UV-C Strahlung), Gefahrstoffe (Ozon) oder Lärm. Eine Prüfung kann beispielsweise durch Produktbeschreibungen, Produktinformationen oder Nachfragen beim Hersteller erfolgen.
  • Technische Daten der Filterleistung und Aufstellungsort sorgfältig auswählen.
  • Es wird empfohlen, dass ein Raumluftreiniger mindestens einen sechsfachen Luftwechsel pro Stunde gewährleisten kann.
  • Damit die höchstmögliche Leistung erbracht wird, muss die Aufstellung im Raum entsprechend der örtlichen Gegebenheiten erfolgen. Einrichtungsgegenstände und Einbauten beeinflussen unter anderem  die Filterleistung.

Weitere Informationen mit Hinweisen zur Positionierung und Dimensionierung von mobilen Raumluftreinigern hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) veröffentlicht: Fachbeitrag der DGUV zu mobilen Raumluftreinigern zum Schutz vor SARS-CoV-2.

Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes beachten:

  • Durchführung der Gefährdungsbeurteilung
  • Erstellung der Betriebsanweisung für den Normalbetrieb, Reinigung, Filterwechsel, Störung und anderem
  • Unterweisung von zum Beispiel Lehrkräften und Facility-Angestellten auf Basis der Betriebsanweisung
  • Vermeidung von Stolper/Sturz- und Elektrogefährdungen (Knickstellen, Isolationslücken des Kabels) durch geeignete Wegführung und Abkleben des Kabels beziehungsweise Verwendung von Kabelbrücken
  • Aufnahme des Gerätes in die Prüfungsintervalle durch zur Prüfung befähigte Personen:
  1. Elektro-Prüfung ortsveränderlicher Geräte (Gerät besitzt Rollen) alle zwei Jahre beziehungsweise Elektro-Prüfung ortsfester Geräte (wenn der Gerätestandort nicht verändert wird) alle vier Jahre.      
  2. Festlegung von Prüfintervallen in Bezug auf die Hygieneanforderungen der filtrierten Luft entsprechend der DIN EN 16798-3, DIN EN 12599 sowie der Richtlinie VDI 6022 Blatt 1.

Weitere oder abweichende Maßnahmen können auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung notwendig sein.

Das Thema Lüftung ist komplex und Lüftungskonzepte müssen an die jeweilige Schulsituation angepasst werden. Im Folgenden sind die ggf. notwendigen Maßnahmen und deren Verantwortlichkeiten im Lüftungsmanagement zusammengefasst dargestellt:

  • Sichtung der Schule und der Klassenräume bezüglich der Fenstergestaltung und Lüftungsmöglichkeiten:
    Schulleitung, Sachkostenträger (Hausmeister)
  • Umbaumaßnahmen initiieren, organisieren und durchführen:
    Sachkostenträger, gegebenenfalls Senatsverwaltung
  • Erstellung von Lüftungsplänen für die verschiedenen Raumtypen (mit und ohne CO2-Messgerät):
    Schulleitung, Unterstützung durch Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Unterweisung von Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern, Sicherstellung der Aufsicht:
    Schulleitung
  • Unterweisung der Schülerinnen und Schüler:
    Lehrkräfte und Erzieherinnen/ Erzieher
  • Im Herbst, Winter: Hinweis an Eltern und Schülerinnen und Schüler zur Kleidung, weil gegebenenfalls auch während des Unterrichts gelüftet wird:
    Schulleitung, Lehrkräfte
  • Kontrolle der Umsetzung und Weiterentwicklung der Lüftungspläne:
    Schulleitung, Unterstützung durch Fachkraft für Arbeitssicherheit