„BanksitzerInnen“ im Sportunterricht
Wer kennt das nicht: Der Sportunterricht ist perfekt vorbereitet und verspricht richtig gut zu werden, ja, wenn alle Schülerinnen und Schüler mitmachen. Leider gestaltet sich die Stunde anders: Wieder sitzen drei bis fünf Schülerinnen und Schüler auf der Bank, wobei die Anzahl je nach Alter und Schulform schwankt. Vor allen Dingen die älteren Mädchen versuchen, im Sportunterricht nicht aktiv mitmachen zu müssen, d.h. hier zeigt sich ein geschlechtsspezifischer Effekt. Grundsätzlich müssen auch Schüler/innen, die während des Sportunterrichts auf der Bank sitzen, vom Lehrer von der Lehrerin beaufsichtigt werden. Die Aufmerksamkeit kann somit nicht uneingeschränkt den aktiv am Sportunterricht teilnehmenden Schülern und Schülerinnen gewidmet werden. Die Banksitzer stören den Sportunterricht, etwa durch undiszipliniertes Verhalten oder sozial abfällige Bemerkungen zu aktiven Schülerinnen und Schülern, so dass sie auch deren Aufmerksamkeit und Konzentration behindern und dadurch Unfälle mit verursachen können.
Aus einer Befragung 2008 lassen sich drei Hauptgründe ableiten (zum Fragebogen):
1. Leistungsangst bzw. das Gefühl der Überforderung
2. Scham bzw. Angst vor Blamagen
3. Langeweile bzw. fehlende Einsatzbereitschaft.
Wie lassen sich Banksitzer wieder in den Sportunterricht integrieren?
Zum Thema „Angst“ hat sich gezeigt, dass das Verbalisieren der Angst ein sehr gutes Mittel darstellt, um die Angst abzubauen. In Form von Gesprächen oder konkreten Fragen wie „Wann tritt die Angst auf?“ oder „Beschreibe die Situation, in der du Angst bekommst“ oder „Wie äußert sich die Angst?“ kommt man den Angst auslösenden Situationen auf die Spur. Ganz wichtig ist es, die Angst – so unbegründet sie auch für die Sportlehrkraft sein mag – ernst zu nehmen und nicht zu ignorieren. Nicht jede Sportlehrkraft hat aber die Zeit und die Ruhe, sich jedem Schüler so intensiv zu widmen. Hier empfiehlt sich, Klassenkameraden oder Freunde mit ein zu beziehen.
Als gleichfalls sehr wirksam hat sich die Methode des Vorbilds erwiesen: Ein anderer Schüler, eine Schülerin mit ähnlichen Problemen kann von Erfahrungen berichten. Durch eine Lösung im Team - auch unabhängig von der Lehrkraft - kann die Klassengemeinschaft gestärkt werden. Viele Schülerinnen und Schüler, die helfen woll-ten, schlagen Lösungen vor, die auch für die Lehrkraft interessant sind.
Natürlich wird aus dem leistungsängstlichen Schüler, der Schülerin nicht gleich ein Spitzensportler. Aber auf jeden Fall erhalten sie Hilfen an die Hand, wie mit Angst umgegangen werden kann. Das „Rumdrücken“ auf der Bank fällt weg.
Was aber ist mit Schülerinnen und Schülern, die aus Lustlosigkeit auf der Bank sitzen? Auch sie geben sehr differenziert Auskunft über die den Sportunterricht. Nimmt man die Antworten ernst, kann man das Potenzial, das ohne Zweifel in ihnen steckt, zu Gunsten des Sportunterrichts nutzen. So kann zum Beispiel jedem Schüler, jeder Schülerin von der Bank eine eigene kleine Aufgabe für eine kommende Sportstunde gegeben werden, so z.B. für das Aufwärmen, was nicht länger als 5-10 Minuten dauern sollte. Oder er/sie bereitet sich darauf vor, den Mitschülern eine bestimmte Aufgabe zu vermitteln (z.B. das Pritschen im Volleyball oder den Korbleger beim Basketball usw. – je nachdem, was der Schüler oder die Schülerin gut kann oder sich zutraut). Damit sich der Schüler, die Schülerin auf Dauer wieder in den Sportunterricht integriert, kommt es darauf an, dass von den Mitschülerinnen und Mitschülern eine Rückmeldung über die gezeigte Leistung gegeben wird. Bei dieser Methode, die Schülerinnen und Schüler von der Bank zu holen, ist es ganz wichtig, dass Sie sich als Lehrkraft während der „Übungsstunde“ wirklich zurückhalten. Der Schüler, die Schülerin muss eigene Erfahrungen machen – auch wenn die Stunde zunächst nicht reibungsfrei läuft und scheinbar das „Chaos“ ausbricht. Gehören Sie zu den Lehrkräften, denen es schwer fällt dies zu tolerieren? Einen Versuch lohnt es.
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich auch schwierige Klassen zusammenraufen und konstruktiv mit dem vermeintlichen „Chaos“ umgehen lernen. Wichtig ist die Rückmeldung fünf Minuten vor Ende der Stunde, an der alle Schülerinnen und Schüler teilnehmen sollten. Diejenigen, die eine kleine Aufgabe vorgestellt haben, machen hier die Erfahrung, dass sie Teil des Sportunterrichts sind und dadurch Qualität und Spaß maßgeblich mitbestimmen können. Soziale Eingebundenheit, Anerkennung, aber auch Kritik durch andere, Rücksichtnahme und Perspektivenübernahme sind entscheidende Elemente, die den Sportunterricht attraktiv machen.