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Schulen und Kitas: Unfallzahlen weiter rückläufig

Im Jahr 2009 ereigneten sich an Berliner Schulen rund 42.160 Unfälle – pro Schultag sind das 216. Insgesamt verringerte sich die absolute Zahl der Schülerunfälle im Vergleich zum Jahr 2008 um rund 1.500 Unfälle (drei Prozent).

Für eine bessere Vergleichbarkeit berechnet die Unfallkasse die Anzahl der Unfälle bezogen auf tausend Schüler – die sogenannte Tausend-Schüler-Quote (TSQ). In Berlin sank diese Quote auf 131 (2008:135).

  • Unfälle nach Schulformen

    Grundschulen
    „An den Grundschulen ging die Tausend-Schüler-Quote im Jahr 2009 von 153 auf 152 zurück“, so Heidelore Geitner, Leiterin Schülerunfallprävention der Unfallkasse Berlin. Dieses Ergebnis ist erfreulich: Die Einschulung der Kinder ab dem fünften Lebensjahr hat offensichtlich nicht zu mehr Unfällen geführt. In den ersten Klassen überwiegt noch der spielerische Umgang untereinander. Das Unfallgeschehen ähnelt dem der Kitas und ist geringer als bei den älteren Kindern. Während sich die Zehnjährigen noch überwiegend auf dem Pausenhof verletzen, haben die Zwölfjährigen deutlich mehr Schulsportunfälle, vor allem beim Fußball und Basketball.

    Die meisten Unfälle in der Grundschule ereignen sich mit 37 Prozent in den Pausen sowie im Sportunterricht (35 Prozent). Besonders Grundschulen können die Unfallgefahren durch eine gezielte Pausengestaltung senken. Sehr positiv wirken sich hier abwechslungsreiche Spielangebote auf einem sinnvoll strukturierten Schulgelände aus. Das gilt auch für einen zeitlich versetzten Pausenbeginn verschiedener Klassen – so stürmen nicht alle Kinder gleichzeitig auf den Schulhof. Wichtig ist, dass jede Schule für sich analysiert, wo die Probleme liegen könnten und Maßnahmen passend ausrichtet.

    Hauptschulen
    Die absoluten Unfallzahlen an Berliner Hauptschulen sind um etwa 120 Unfälle auf rund 1.420 zurückgegangen. Die TSQ lag an den Hauptschulen bei 133 (2008: 134).

    Realschulen
    An den Realschulen sank die Tausend-Schüler-Quote im vergangenen Jahr sehr deutlich von 157 auf 146. In absoluten Zahlen ereigneten sich hier rund 2.670 Unfälle.

    Gesamtschulen
    Von tausend Gesamtschülern hatten 127 einen Unfall (2008: 133). In absoluten Zahlen waren es rund 4.870 Unfälle. Diese Schulform, die von Schülern der unterschiedlichsten Leistungsniveaus besucht wird, schneidet im Vergleich der Schulen gut ab. Eine Ursache: Die älteren Oberstufenschüler haben sehr wenige Unfälle und drücken die Quote.

    Gymnasien
    Der Schultyp mit dem regelmäßig geringsten Unfallgeschehen hatte 2009 ebenfalls weniger Unfälle als in den Vorjahren. Die TSQ sank an den Gymnasien auf 89 (Vorjahr: 93). Gründe dafür sind der relativ hohe Leistungswillen der Schüler und die niedrigen Unfallzahlen bei den älteren Schülern der gymnasialen Oberstufe.

    Privatschulen
    Die Zahl der Privatschüler stieg im Jahr 2009 um rund 1.610 auf rund 26.330 Schüler. Dort ereigneten sich rund 2.850 Unfälle. Das entspricht einer TSQ von 108 (2008:115).

    Schulen mit sonderpädagogischen Förderschwerpunkten
    Von tausend Sonderschülern hatten 163 einen Unfall (2008: 176). Diese Schulart hat das höchste Unfallgeschehen aller Schularten. Allerdings sind die Zahlen schwierig zu vergleichen, weil der Begriff „Sonderschulen“ verschiedene Förderarten enthält.

Graphik: Unfälle nach Schulformen 2009

Schulreform – große Herausforderung ans Kollegium
Vor zehn Jahren hatten in Berlin noch 169 von tausend Schülern (also 38 mehr als im vergangenen Jahr) einen Unfall. Diese positive Entwicklung ist auf die vielen Aktivitäten der Schulen zurückzuführen, die das Schulklima verbessern. Denn organisatorische und pädagogische Maßnahmen können das Unfallgeschehen deutlich senken: An Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler zufrieden und mit Lernfreude in den Unterricht gehen, kommt es zu weniger Unfällen. Es gilt die Regel: Gutes Klima, wenig Unfälle. Der oft vermutete Zusammenhang mit der Sozialstruktur bestätigt sich dagegen nicht, denn es gibt sowohl in sozial starken als auch in sozial schwachen Umfeldern Schulen mit niedrigen und hohen Unfallzahlen.

Wichtig ist, dass das Lehrerkollegium ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt und dieses den Schülern vorlebt. Ein hilfsbereiter und netter Umgang der Lehrkräfte untereinander wirkt sich auch auf das Miteinander der Schüler positiv aus.

Die Schulreform führt durch die Zusammenführung von Haupt- und Realschule zu völlig neu zusammengesetzten Lehrerkollegien. Umso wichtiger ist es, dass die Schulleitungen ihre Managementfunktion wahrnehmen und einen Schwerpunkt ihrer Arbeit darin sehen, das Kollegium zu einem Team zusammenzuführen.

  • Mehr Unfälle auf dem Schulweg

„Die Zahl der gemeldeten Unfälle auf dem Schulweg stieg um zwei Prozent auf rund 2.420“, so Michael Laßok, stellvertretender Geschäftsführer der Unfallkasse Berlin. Damit haben an einem Schultag durchschnittlich 12 Schüler einen Unfall auf dem Weg zur Schule. Diese Unfälle sind häufig mit schweren Verletzungen der Kinder verbunden.
Im Jahr 2009 hat sich kein tödlicher Unfall ereignet. In besonders schweren Fällen wurden Renten bewilligt: einem neunjährigen Mädchen, das von einer Straßenbahn erfasst wurde und einem vierzehnjährigen Jungen, der trotz einer roten Ampel die Straße überqueren wollte und dabei von einem fahrenden Bus erfasst wurde.

Nächste Woche wird für rund 24.000 Jungen und Mädchen die Schulzeit beginnen. In den ersten Tagen und Wochen werden die Schuleinsteiger meist noch von den Eltern begleitet.
Bald werden sie den Schulweg allein zurücklegen. Und der ist für die Kleinen oft nicht ungefährlich. Im Jahr 2009 hatten rund 810 Grundschüler auf dem Schulweg einen Unfall. Das sind durchschnittlich vier Grundschüler pro Schultag.

Aus der Sicht der Unfallkasse können Eltern sehr viel zur Sicherheit ihrer Kinder im Straßenverkehr beitragen, indem sie ihren Kindern sicherheitsgerechtes Verkehrsverhalten vorleben. Eltern sollten gemeinsame Wege mit den Kindern zum Spielplatz, zur Kita und zur Schule nutzen, um den Kleinen das Thema Verkehrssicherheit nahezubringen: durch schlichtes Vorleben oder durch einfache Erklärungen. So ein täglich durchgeführtes praktisches Training bereitet sehr gut auf die Anforderungen des Straßenverkehrs vor.

Die Unfallkasse appelliert an Eltern, den Schulweg gemeinsam mit den Kin-dern zu Fuß zu gehen. Leider versuchen viele Eltern, ihre Kinder vor den Gefahren des Verkehrs zu schützen, indem sie diese mit dem „Elterntaxi“ zur Schule und zu anderen Aktivitäten bringen. Dadurch lernen die Kinder nicht, sich im Straßenverkehr sicher zu bewegen. Und: Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen, sind im Unterricht aufgeweckter und konzentrationsfähiger als mit dem Auto gebrachte Kinder. Die Unfallkasse Berlin verteilt zu dem Thema das Faltblatt „Zu Fuß zur Schule und in die Kita“.

Sorge bereitet der Unfallkasse Berlin auch der Zeitdruck, unter dem viele Kinder morgens stehen: Wenn Kinder verspätet von zu Hause loskommen und um jeden Preis den Bus oder die Straßenbahn erreichen müssen, achten sie nicht mehr auf den Verkehr. Der Unfallkasse werden in jedem Jahr Unfälle gemeldet, bei denen Zeitdruck die Ursache war. Eltern sollten dafür sorgen, dass ihr Kind gefrühstückt hat und rechtzeitig das Haus verlässt, um ohne Hektik pünktlich in der Schule anzukommen.

Graphik: Schulwegeunfälle 2009

  • Unfälle in Berliner Kindertageseinrichtungen

Bei der Unfallkasse Berlin sind im vergangen Jahr rund 117.400 Kita-Kinder versichert gewesen, rund 2.000 Kinder mehr als im Jahr 2008. Der Unfallkasse Berlin wurden rund 9.700 Unfälle gemeldet, rund 300 Unfälle mehr als im Jahr 2008.

Hochgerechnet auf tausend Kita-Kinder verunglückten 83 von tausend Kin-dern (im Vorjahr 85). Die Berliner Kitas sind entweder in privater Trägerschaft oder gehören zu einem der fünf Eigenbetriebe des Landes Berlin. Die Unfallzahlen in den Eigenbetrieben liegen geringfügig höher als in den Kitas freier Träger. In den Kitas der Eigenbetriebe hatten 87 von tausend Kindern einen Unfall, in denen freier Träger waren es 81. Im Bundesdurchschnitt verletzten sich von tausend Kindern nur 71 bei einem Unfall. Die Ursache für diesen Unterschied: Berliner Kinder sind täglich einen längeren Zeitraum in der Kita als Kinder in anderen Bundesländern.

Zwischen den Eigenbetrieben zeigen sich erhebliche Unterschiede in der Unfallquote. Vom Eigenbetrieb Nordwest wurden wie in den vergangenen Jahren sehr viele Unfälle gemeldet, die Quote pro tausend Kinder liegt bei 123. Dies erklärt sich damit, dass es im Eigenbetrieb Nordwest eine betriebsinterne Anweisung gibt, die den Arztbesuch auch bei kleinsten Verletzungen vorschreibt.

Dagegen verzeichnet die Unfallkasse für die Eigenbetriebe Nordost (68) und City (72) eine deutlich geringere Unfallquote. Die freien Träger meldeten pro tausend Kinder 81 Unfälle.

Unfallschwerpunkte in den Kitas
Stolpern, Hinfallen oder Umknicken beim Laufen führen in Kitas am häufigsten zu Verletzungen. In vier Prozent aller Unfälle klemmten sich Kinder an der Tür. Bei weiteren vier Prozent wurden Kinder zum Teil absichtlich durch andere Kinder verletzt. Über 60 Prozent der gemeldeten Unfälle ereigneten sich innerhalb des Kita-Gebäudes, rund 50 Prozent im Gruppenraum. Auf dem Spielplatz verletzten sich die Kinder in weiteren 33 Prozent der Unfälle.

Bei mehr als 60 Prozent der Unfälle ist der Kopf betroffen. Er hat beim Kleinkind körperproportional sehr viel Gewicht und Größe. Deshalb liegt der Körperschwerpunkt im Verhältnis höher als beim Erwachsenen. Ein weiterer Grund für die vielen gemeldeten Kopfverletzungen ist, dass eine Kopfverletzung eher dem Arzt vorgestellt wird als zum Beispiel eine Oberflächenverletzung am Arm oder am Bein.

Etwa 36 Prozent der Verletzungen stellten sich als oberflächliche Verletzungen heraus, rund 40 Prozent sind Erschütterungen. Die Zähne sind in fünf Prozent der Unfälle betroffen.

Graphik: Kita-Unfälle 2009

Hintergrund:
Schüler-Unfallversicherung in Berlin
Rund 672.000 Kita-Kinder, Schüler und Studierende sind über die gesetzliche Schüler-Unfallversicherung abgesichert. Trägerin in der Hauptstadt ist die Unfallkasse Berlin.
Eltern zahlen für diesen Unfallschutz keinen Cent. Die Kosten trägt das Land Berlin.

· Kita-Kinder sind überall in ihren Einrichtungen, ob auf dem Klettergerüst, auf der Wippe oder im Sandkasten, gegen Unfälle unfallversichert. Das gilt auch für Ausflüge.
· Bei den Schülern besteht der Schutz im Unterricht und in den Pausen, auf Klassenfahrten und bei Schulfeiern.
· Studierende haben ihn während ihrer Vorlesungen, Repetitorien und Exkursionen, die von der Hochschule organisiert werden.

Der Versicherungsschutz gilt auch auf den Wegen von und zur Einrichtung.
Nach einen versicherten Unfall übernimmt die gesetzliche Schüler-Unfallversicherung die Kosten für die stationäre Behandlung, die Pflege zu Hause oder in Heimen oder notwendige Reha-bilitationsmaßnahmen. Bei bleibenden Schäden kann eine Rente gezahlt werden.