Mobbing und Schule

Zu den typischen Merkmalen des Mobbing gehört, dass die Opfer wiederholt und regelmäßig über einen längeren Zeitraum den Angriffen auf ihre persönliche Würde und/oder körperlichen Angriffen von ein oder mehreren Mitschülern/innen ausgesetzt und somit in eine unterlegene Position geraten sind, aus der sie sich alleine nicht befreien können. Der Konflikt ist verfestigt und die Betroffenen verfügen nicht mehr über selbstbestimmte Handlungsfähigkeit und trauen sich meist nicht, Hilfe zu holen. Dabei sind die Angreifer selten allein, sie haben Assistenten und Unterstützer. Außerdem gibt es Dulder und Zuschauer (sog. Sehleute) sowie eine gutwillige, friedliche und sozialkonstruktive Mehrheit, die gestärkt werden muss, nicht weg- sondern hinzusehen und sich im positiven Sinne einzumischen.

Mobbing mit Hilfe von Medien, das sogenannte Cyberbullying, ist eine neue, sich weltweit ausbreitende Mobbing-Variante, die sich moderner Kommunikationsmittel, wie Internet und Handy, bedient. Die meist anonym handelnden Täter/innen agieren aus dem Hinterhalt und beleidigen, bedrohen, quälen und drangsalieren ihre Opfer an jedem Ort der Welt und rund um die Uhr über SMS, Handy-Anrufen, e-Mails und Instant Messenger wie z.B. Skype. Nachrichten, Bilder und Videos, die einmal ins Netz gestellt wurden, erreichen dann möglicherweise jahrelang ein potenziell unbegrenztes, anonymes Publikum.

Hilfe und Unterstützung bieten an: http://www.klicksafe.de/  oder das Elterntelefon „Nummer gegen Kummer e.V.“http://www.elterntelefon.org/

Für Mobbing gibt es Warnsignale, die einzeln betrachtet eine harmlose Ursache haben können, in ihrer Kombination aber auf Mobbing hinweisen.
Als wichtigstes frühes Warnsignal gilt, dass Sie als Eltern überhaupt erfahren, dass ihr Kind Opfer von Mobbing ist! Nach übereinstimmenden Befundmustern bekommen nur 50 Prozent der Eltern und nur 30 Prozent der Lehrkräfte das Mobbing mit.

Opfer von Cybermobbing sprechen meist gar nicht mit ihren Eltern oder anderen Personen über ihre Situation. Nur 10 Prozent der Kinder vertrauen sich einer US-Studie zufolge ihren Eltern an, weil sie Internetverbote befürchten oder meinen, das Problem selbst lösen zu müssen.

Warnsignale für Mobbing, dem Schüler und Schülerinnen ausgesetzt sind, können sein:

  • Körperliche Verletzungen (Prellungen, Kratzer, Schnittwunden für die es keine natürliche Erklärung gibt)
  • zerrissene oder unordentliche und beschädigte Kleidung oder kaputte Schulsachen
  • Sozialer Rückzug (keine Freundschaften, keine Kontakte zu Klassenkameraden)
  • Ängste (insbesondere Schulangst, morgens widerwilliges Zur-Schul-Gehen, Schulumwege wählen)
  • Depressionen (unglücklich, traurig, Stimmungsschwankungen unterlegen, gereizt und zu Zornausbrüchen neigend)
  • Schlafstörungen (unruhiger Schlaf, Aufschrecken)
  • Psychosomatische Symptome (Kopf und Bauchschmerzen, Schwindel, etc.)
  • Schulunlust (keine Lust mehr zur Schule zu gehen oder Schularbeiten zu machen, schlechte Zensuren) 
  • Verhaltensbesonderheiten (z.B. zusätzlich Geld verlangen, Geld stehlen)
  • Selbstmordgedanken

Allgemeingültige Richtlinien und Maßnahmen für Eltern deren Kind Gewalthandlungen ausgesetzt ist, gibt es nicht, weil jeder Einzelfall wieder anders ist. Genaue Analysen und professionelle Unterstützung und Hilfe sind nötig und vor allem möglich.

Direkte Unterstützungsmaßnahmen der Eltern sind:

Nehmen Sie Sich viel Zeit; haben Sie ein offenes Ohr; vermitteln Sie Herzenswärme und Anteilnahme; geben Sie liebevolle Unterstützung damit das verletzte Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein wieder aufgebaut werden kann; sprechen Sie viel miteinander, insbesondere über Schule und Freundschaften; nehmen Sie Sorgen und Nöte jederzeit ernst und vermitteln Sie dieses auch; ermuntern Sie das Kind, den Kummer nicht in sich hineinzufressen, sondern sich anzuvertrauen; ermutigen Sie es und erarbeiten gemeinsam Vorschläge über alternative Verhaltensweisen und über die Möglichkeit neue Kontakte herzustellen und Freundschaften zu Mitschülern aufzubauen; fördern Sie Begabungen und Eigenheiten durch besondere, auf die Persönlichkeit der Kinder/Jugendlichen zugeschnittenen künstlerischen Aktivitäten (malen, musizieren, schauspielern etc), Hobbys, Sport- und Freizeitbetätigungen; Besprechen Sie offen alle vorgesehenen Maßnahmen.

Weitere Unterstützungsmaßnahmen sind:

Holen Sie sich professionelle Hilfe durch Schulpsychologen für Gewaltprävention und Krisenintervention; benennen Sie Probleme genau; beziehen Sie die unterrichtenden Lehrkräfte und Klassenelternvertretung mit ein und suchen und entwickeln Sie mit ihnen gemeinsam nach konstruktiven Lösungen; setzten Sie sich mit der Schulleitung in Verbindung und wirken Sie auf Änderung der Situation hin; engagieren Sie sich in schulischen Gremien, wie Elternbeirat oder Elternausschuss und Schulkonferenzen; setzen Sie sich für die Thematisierung von Gewalt- und Mobbing an der Schule ein.